Frischer Blick neuer Geschäftsführer

ORGANISATIONSENTWICKLUNG

Der frische Blick neuer Geschäftsführer

Wer neu in der Verantwortung steht, hat einen Vorteil mit Verfallsdatum: den frischen Blick. Ihn zu nutzen, bevor der Alltag ihn aufbraucht, ist die erste strategische Entscheidung.

Blick durch Glasring auf Berggipfel

Ein Anruf, kurz nach der Übernahme

Ich erinnere mich an einen Anruf, wenige Monate nachdem er die Geschäftsführung übernommen hatte. „Ich habe ein gesundes Unternehmen geerbt“, sagte er. „Volle Auftragsbücher, eingespielte Abläufe, loyale Leute. Und trotzdem schlafe ich schlecht.“

Ich fragte, warum. „Weil ich nicht weiß, ob das, was uns hierher gebracht hat, uns auch die nächsten zehn Jahre trägt. Welche Trends muss ich ernst nehmen, welche kann ich ignorieren? Wie wird diese Organisation wendiger, ohne dass ich alles umkremple, was funktioniert?“

Und dann, nach einer Pause: „Am meisten beschäftigt mich, dass meine Leute noch nicht verstehen, worum es jetzt geht. Sie machen ihre Arbeit gut, nach den Maßstäben von gestern. Aber wie erkläre ich ihnen, was ab jetzt wirklich zählt, wenn ich es selbst noch sortiere?“

Erst verstehen, dann ausrichten

Solche Fragen lassen sich nicht alle auf einmal beantworten, und das müssen sie auch nicht. Was am Anfang zählt, ist die richtige Reihenfolge: erst verstehen, wo das Unternehmen wirklich steht, dann die Richtung klären, dann die Organisation Schritt für Schritt darauf ausrichten.

Der frische Blick eines neuen Geschäftsführers ist ein echter Vorteil: Er sieht Muster, die den Eingearbeiteten längst unsichtbar geworden sind. Es lohnt sich, ihn zu nutzen, solange er noch frisch ist, zum Beispiel mit einer strukturierten Standortbestimmung entlang der sechs Dimensionen der Innovationsfähigkeit.

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