Wenn das System sich nicht ändern darf

TRIZ · PROZESSE

Wenn das System sich nicht ändern darf

Ein Konzern wollte die Logistik auf seinem Stammwerksgelände auf eine neue Stufe bringen. Das beauftragte Team kam nicht weiter, denn scheinbar durfte sich nichts verändern. Genau dort begann die eigentliche Arbeit.

Historische Straßenbahn in Porto auf festem Gleis

Die Ausgangslage: Restriktionen, wohin man schaut

Das Werksgelände war über viele Jahre gewachsen, immer neue Betriebsstätten waren hinzugekommen. Die Straßen dazwischen waren stark befahren, transportiert wurden auch Gefahrgüter mit strengen Sicherheitsregeln. Die Zufahrten zu den Gebäuden waren baulich eng, und an den Gebäuden selbst sollte nichts verändert werden.

Dazu kam: Das Lager war klein, Waren sollten erst ankommen, wenn sie gebraucht wurden. Das Ausladen musste also schnell gehen. Den Kran konnten aber nur wenige Personen bedienen, bei knappem Personal entstand hier der nächste Engpass. Das Team wusste nicht mehr, wo es ansetzen sollte.

Das Vorgehen mit TRIZ

Wir begannen, wie die Arbeit mit TRIZ typischerweise beginnt: mit einer sauberen Problembeschreibung. Eine Funktionsanalyse machte die Situation sichtbar und zeigte, wo im System die wichtigsten Knackpunkte lagen. Die dringlichsten davon lösten wir Schritt für Schritt mit den Problemlösewerkzeugen, etwa dem Physikalischen Widerspruch mit seinen Separationsprinzipien und der Stoff-Feld-Analyse.

Danach wechselten wir auf die Metaebene: Wie konnte der gesamte Ablauf vom Lieferanten bis zur Auslieferung neu gedacht werden? Wir verbanden ihn mit weiteren laufenden Prozessen im Unternehmen, der Digitalisierung und der Nachhaltigkeitsausrichtung, und arbeiteten ein Prozessdesign heraus, das die Wünsche aller Betriebsstätten berücksichtigte.

Der entscheidende Perspektivwechsel

Meistens suchen wir Lösungen innerhalb des Systems, das wir vor uns haben. Wenn das eigene System aber keine Veränderung zulässt, lohnt der Blick ins Umfeld: In diesem Fall wurden zum Beispiel die LKWs der Lieferanten Teil der Lösung. Hilft eine Separation in der Zeit oder im Raum nicht weiter, kann man zudem die Systemebene wechseln, auf die Mikro- oder die Makroebene. So öffnet sich ein neuer, großer Lösungsraum.

Für das Team gab es dabei einen Moment, den ich nicht vergesse: Als der größte Engpass gelöst war, konnte ich sehen, wie sich die Anspannung löste. Man schaute sich lächelnd in der Runde an. Alle wussten jetzt: Wir werden nicht scheitern.

Das Ergebnis

Das Team stellte den neuen Logistikprozess der Geschäftsführung vor und wurde für die durchdachte Qualität der Lösung ausdrücklich gelobt. Unser gemeinsamer Arbeitsprozess wurde als Blueprint in die Organisation übernommen.

Wenn sich im System nichts ändern darf, ist das nicht das Ende der Suche. Es ist der Hinweis, wo man noch nicht gesucht hat.

Meine Frage an Sie: An welcher Stelle haben Sie aufgehört zu suchen, weil „sich hier nichts ändern lässt“?

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