ZUKUNFTSFÄHIGKEIT · PRODUKTENTWICKLUNG
Der Wendepunkt in der Produktentwicklung
Jedes Funktionsprinzip hat eine begrenzte Entwicklungsfähigkeit. Wer den Wendepunkt verpasst, optimiert weiter am Bewährten, während anderswo bereits das Nachfolgeprinzip entsteht.
Ihr bestes Produkt ist Ihr größtes Risiko
Jedes technische Produkt beruht auf einem Funktionsprinzip. Und jedes Funktionsprinzip folgt derselben Kurve: Am Anfang bringen Verbesserungen große Sprünge. Später steigt der Aufwand, und die Fortschritte werden kleiner. Die Entwicklung folgt einer S-Kurve, und irgendwann ist das Prinzip ausgereizt. Noch ein Prozent Wirkungsgrad, noch eine Variante: Der Einsatz wird größer, der Ertrag schrumpft.
Genau an diesem Wendepunkt entscheidet sich, wer den Markt von morgen bedient. Viele Organisationen optimieren weiter am Bewährten, weil das Bewährte volle Auftragsbücher liefert. Kommt der Wettbewerber mit einem neuen Funktionsprinzip auf den Markt, ist die Aufholjagd teuer und oft aussichtslos.
Der Wendepunkt ist erkennbar
Das ist die gute Nachricht: Der Wendepunkt kündigt sich an. Typische Signale sind:
- Steigender Entwicklungsaufwand bei sinkendem Zugewinn
- Häufigere Zielkonflikte im Lastenheft: Jede Verbesserung verschlechtert etwas anderes
- Patentaktivitäten, die sich vom alten Prinzip wegbewegen
Wer diese Signale systematisch liest, etwa mit den Entwicklungsgesetzen technischer Systeme aus der TRIZ, kann rechtzeitig parallel am Nachfolgeprinzip arbeiten, statt vom eigenen Erfolg überrascht zu werden.
Ihr erfolgreichstes Produkt ist Ihr größtes strategisches Risiko. Nicht trotz seines Erfolgs. Wegen ihm.
Zwei Fragen für Ihre nächste Führungsrunde
Wie viel Entwicklungsaufwand stecken wir in unser wichtigstes Produkt, und wie viel Fortschritt kommt dabei noch heraus? Und: Wenn ein Wettbewerber unser wichtigstes Produkt angreifen wollte, wo würde er ansetzen, und warum haben wir dort noch nichts getan?
Wenn die Antworten unbequem ausfallen, ist das kein schlechtes Zeichen. Es ist der Anfang.
