Wer hat das verboten?

INNOVATIONSFÄHIGKEIT

Wer hat das verboten?

Über Regeln, die niemand aufgestellt hat und die trotzdem befolgt werden: eine der subtilsten Formen psychologischer Trägheit.

Es gibt eine Frage, die ich in Workshops stelle, wenn eine Idee mit „Das geht bei uns nicht“ abgeräumt wird: „Wer hat das verboten?“

Die häufigste Antwort ist Stille.

Ein Beispiel: Ein Ingenieur lehnt ein Material ab, weil es „für ein Premiumprodukt zu billig wirkt“. Technisch ist es überlegen. Aber das interne Bild macht es unmöglich. Kein Physikgesetz steht dagegen, keine Norm, kein Kundenwunsch. Nur die eigene Überzeugung, die sich als Faktum verkleidet.

In der TRIZ-Methodik heißt dieses Muster Trägheit durch nicht existierende Verbote: eine der subtilsten Formen psychologischer Trägheit. Subtil, weil das Verbot nie ausgesprochen wurde. Es ist mit der Zeit einfach entstanden, aus einer alten Entscheidung, einer Gewohnheit, einer Vermutung darüber, was „man“ bei uns macht.

Echte Restriktionen kann man lösen. Nicht existierende Verbote kann man nur sichtbar machen.

Das Tückische: Echte Restriktionen kann man verhandeln, budgetieren, technisch lösen. Nicht existierende Verbote kann man nur sichtbar machen. Deshalb ist die Frage so wirksam: Sie zwingt dazu, die Quelle der Regel zu benennen. Gibt es keine, ist der Weg frei.

Meine Frage an Sie: Welche Regel in Ihrer Organisation existiert eigentlich gar nicht, wird aber trotzdem befolgt?

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